projektwochenende "dada" 2001
frankfurter bahnhof:
rückfahrt vom "dada"-wochenende auf der balduinstein.
alles brach über mich ein: das stimmengewirr der leute, die ihren anschlußzug suchten, die videotafel die unablässig überfluessige informationen preisgab,
die zugansage in meinem nacken.
4.00 uhr früh, ich hatte meinen zug verpasst.
der nächste kam erst zwei stunden spaeter...
ich hing fest.
unbequem waren die sessel des aufenthaltsraums. an den lehnen hatte man gespart.
mein gegenüber zuckte neurotisch mit den mundwinkeln – und das unablässig...
wie eine maschine, die jemand aufgedreht und vergessen hatte wieder abzustellen.
links neben mir raschelte eine ältere dame permanent in ihrer einkaufstasche – und fand doch nichts darin.
im hintergrund die putzkollonen, die sich kurze befehle zuwarfen.
auf gleis drei ein zug. der wummerte und wummerte und wummerte ...
die schwingungen liessen den boden erzittern.
mit der müdigkeit vermengten sich die eindrücke wie ein brei; dickflüssig zäh, undurchdringlich.
sicherlich hätte sich etwas in mir dagegen gewehrt, wäre ich nicht so fertig gewesen.
der wunsch, alles klar und einfach und möglichst geordnet zu haben, drängte sich mir auf.
ich wünschte mich als schachspieler, der mit einem blick das spielfeld überschaut.
die bilder der letzten "dada"-tage flochten sich in die bahnhofsumgebung ein.
dieses wirrwarr-gefühl, die schrägen geräusche im hintergrund, die schroffen dias.
gedichte deren "sinn" (?) sich nur erahnen ließ.
die gespraechsrunde, in der alle aneinander vorbeiredeten, das bücherduell der zufallsätze, der tanz ohne bewegung.
"dada",
"dada" warf alle ordnung ueber den haufen, kannte keine regeln, wollte nichts, konnte nichts...
"dada" amuesierte mich, weil es mich aus altbekanntem "hersaushob",
weil ich erkannte, wie sehr ich doch regelmensch bin,
weil ich merkte, wie unsinnig vieles ist, wie fest man an vorstellungen hängt.
weil ich merkte, wie sehr ich gewohnte bahnen brauche: sicherheit.
"dada" machte spass, weil ich wusste, ich kann wieder zurück; das ist ein spiegel, in den ich schauen kann.
"im bewusstsein, auf sicherem boden zu stehen, den boden überdenken können, ohne gefahr zu laufen, ihn unter den füßen zu verlieren!"
hier auf dem bahnhof war mir alles zu viel. das verwirren der eindrücke nahm nun kein ende mehr.
das gebrumm des zuges ließ sich nicht abstellen.
die bahnauskunft plapperte unablaessig fort.
alles schien keinen sinn zu ergeben.
ich konnte nicht einen moment die augen schliessen, um mich in mein ich zurueckzuziehen, in das mir bekannte.
"dada" setzte sich fort.
"dada" war um mich herum, nahm mir den boden: ordnung und ruhe.
"dada" ist wirklichkeit!?
ich wußte es nicht.
ich konnte nicht auf das verwirrende schauen, mit der sicherheit zu wissen: das ist nicht echt!
mir war kalt. so kalt wie dem nackten mann am eröffnungsabend.
10.00 uhr:
endlich zu hause. endlich im bett. ich war froh!
froh, alles um mich zu haben wie ich es kenne.