wir pfeifen auf den ganzen schwindel
die gelegenheit bietet sich nicht häufig- und sie wird sich in zukunft sicher immer seltener bieten. denn wann bekommt man schon mal einen echten bündischen zeitzeugen der ns-zeit zu sehen? diese chance wollten sich rund 50 bündische im alter zwischen 9 und 90 nicht entgehen lassen. am 24.01.09 war berry westenburger auf der burg zu gast und erzählte einem gebannten publikum aus seiner jugend im dritten reich und in der nachkriegszeit.
" />der abend hatte mit jürgen reulecke noch einen zweiten spannenden gast zu bieten. nach einer kurzen begrüßung durch wanja führte reulecke gekonnt in den vortrag ein, indem er berry mit seinen worten quasi den teppich ausrollte. dabei gelang es ihm insbesondere, die jüngeren zuhörer anzusprechen.
doch der abend gehörte vor allem berry, der aus seinem buch „wir pfeifen auf den ganzen schwindel“ vortrug. von der ersten minute gelang es ihm, sein publikum zu fesseln. er erzählte sehr lebendig aus seiner kindheit, in der er als 12-jähriger unbedingt in den wandervogel eintreten wollte. doch schon nach einem jahr wurde dem blühenden bundesleben der nerother von den braunen horden der nazis ein jähes ende bereitet. für berry und seine frankfurter freunde bedeutete dies einen jähen einschnitt. das, was ihnen bisher soviel freude erfüllt hatte, war – egal wie harmlos es uns heute erscheinen mag – nun verboten und wurde streng verfolgt. es blieb nur die wahl zwischen anpassung und der weg in die illegalität. berry und einige seiner frankfurter freunde entschieden sich für letzteres.
besonders spannend wurde es im sälchen, wenn berry von heimlichen fahrten mit anderen verbotenen bündischen gruppen, saalschlachten mit der hitlerjugend und seinen verhaftungen berichtete. nicht weniger spannend waren aber der bericht über seine kriegserlebnisse, seine fluchtversuche aus der gefangenschaft und seine rolle beim aufbau der jungenschaft in deutschland, bis er sich schließlich 28jährig aus der aktiven bündischen arbeit zurückzog.
jürgen reulecke sprach in seinem schlusswort von dem staffelstab, den die alten aus dem krieg heimgekehrten bündischen an die nächste generation weitergereicht hätten. nun sei es an den jüngeren, diesen stab weiterzugeben und jungen menschen den traum von einem freien und selbstbestimmten fahrtenleben zu vermitteln. er erinnerte auch an die verantwortung, die wir alle für unsere demokratische gesellschaft tragen.
doch ein solcher abend ist auf der burg ohne gesang natürlich nicht denkbar. daher ging es anschließend zu einer stimmungsvollen singerrunde in die schänke. und womöglich beeindruckte der heute 88jährige berry hier mit seiner vitalität und lebensfreude die zahlreich vertretenen jungpfadfinder und pimpfe sogar noch mehr als bei seinem vortrag. er plauderte und sang hier noch lange völlig zwanglos mit den jüngsten, dass man nicht umhin kam zu bemerken, wie sehr berry ein im geiste der jugendbewegung junggebliebener ist.
chisum