1974 - 2004: 30 jahre bündische jugendburg balduinstein

der feste wille, etwas eigenes zu schaffen, stand am anfang einer langen suche nach einem geeigneten projekt. es musste für alle zukünftigen besucher zentral gelegen sein, es musste groß genug sein, denn wir hatten ja auch große pläne und – es musste ja unbedingt eine burg sein.

„als männer wollen wir gestalten, was wir als jugendtraum geschaut.“

an zahlreichen wochenenden wurden noch zahlreichere burgen und gehöfte besichtigt. die einen waren zu verfallen, die anderen waren nicht zu verkaufen, wiederum andere waren zu teuer oder in ihrer nutzung eingeschränkt. wenn wir, dass heißt ein kreis von 10 freunden aus der jugendbewegung nicht auf der suche waren, dann trafen wir uns an den freien wochenenden und rangen um unsere inhalte. wir wollten ja nicht nur ein gebäude, wir wollten das gebäude ja auch mit leben im geiste der jugendbewegung erfüllen. viele abende bis spät in die nacht hinein wurde diskutiert, wurde formuliert, wurde verworfen, ergänzt, ausgefeilt. der kreis erweiterte sich mit förderern, die ihre gedanken und auch taten dazu beitrugen, dass letztendlich doch etwas handfestes daraus entstehen sollte. es war eine spannende, aber auch schwierige zeit. alle drängten auf resultate.
wir fanden ein tolles projekt an der lahn: die burg langenau stand zum verkauf. der große nachteil war allerdings, dass die burg 2 millionen mark kosten sollte. ein großartiges entgegenkommen des besitzers verleitete uns zu einem vorvertrag.
da bekamen wir den entscheidenden hinweis: „da gibt es eine alte burg in balduinstein mit nebengebäuden, die gehört irgendeinem rechtsanwalt aus frankfurt, der will sie verkaufen.“
sofort fuhren wir hin.

es war wie im märchen: das große schmiedeeiserne tor verschlossen. das war für uns aber kein hinderungsgrund. von hinten, über den berghang, erkämpften wir uns zugang zu dem verwilderten gelände. überall wuchs moos und gras. durch die verschlossenen fensterläden konnten wir nur erahnen, wie es innen aussehen mochte. ausreichend groß war sie auch, die burg balduinstein an der lahn. vier gebäude auf einem riesengroßen grundstück.
na ja, nicht so gut ist, dass das dorf so nah ist - direkt unter uns. aber die lahn bietet sich für wasserabenteuer an, es gibt einen bahnanschluss, die autobahn ist nicht weit.
alles in allem war es das ideale objekt. schnell wurde der kontakt zum besitzer hergestellt. wir sangen: „mich brennt’s in meinen reiseschuh’n“ und eroberten das herz der frau gemahlin im sturm.
nach langen, zähen verhandlungen mit den banken waren wir die neuen eigentümer. das liest sich jetzt alles so einfach, denn geld hatten wir keines. aber auch diese, wie so viele hürden in den vergangenen dreißig jahren haben wir gemeinsam bewältigen können.

„suchen, ringen, wachsen, erkennen, erkämpfen“

die nächsten jahre wurden geprägt durch fleißige arbeit an den gebäuden und an unserem gedanken. etliche missverständnisse wurden im laufe der zeit erkannt und freundschaftlich geregelt. einige freunde trennten sich vom gemeinsamen projekt, um neue wege zu gehen, und wiederum neue freunde fanden zugang zu unserem kreis.
so hat sich im laufe der zeit der schwerpunkt vom bildungswerk zur jugendburg und begegnungsstätte bündischer jugend verschoben.
weiterhin werden jedes jahr zahlreiche veranstaltungen durchgeführt, die von mitgliedern einzelner bünde gerne besucht werden. generationen von gruppenführerinnen und gruppenführern nahmen an den zahlreichen diskussionen über sinn und unsinn der jugendbewegung teil und bekamen ein eigenes bild von der arbeit in ihren gruppen.

und viele orden, stämme, sippen, rotten, fähnleins, horten, gruppen, und was es nicht noch alles gibt nutzten und nutzen die burg für ein erlebnisreiches wochenende, für den anfang einer tippeltour durch die herrliche lahn-landschaft, als treffpunkt mit anderen gruppen oder auch nur zum feiern.
jedes jahr werden eine vielzahl von kursen angeboten, die rege anteilnahme haben: videowerkstatt, instrumentenbau, kaminrunden und projektwochenenden oder auch projektwochen in den herbstferien.
ob es eine beschauliche kaminrunde über das thema herbst mit seinen gedichten und liedern ist, eine kaminrunde über die islamischen kulturen oder das legendäre dada - wochenende, das projektwochenende zum thema „nacht“ oder eines unserer großen griechenfeste, (z.b. hellas und die pontischen griechen mit livemusik) es lohnt sich immer, auf der burg zu sein.
ihr, freunde oder gäste, entscheidet, wie ihr oder eure gruppe es wollt: in ruhe gelassen werden oder kontakt suchen, einzelzimmer, matratzenlager oder die kohte im wald, selber kochen oder im restaurant essen gehen, entspannen oder arbeitseinsatz, bibliothek, sauna… jeder, wie er es will.

die jugendburg balduinstein hat sich zu einer echten begegnungsstätte entwickelt. hier können in entspannter atmosphäre alt und jung zusammenkommen, ihre erfahrungen austauschen, von einander lernen und gemeinsam eine erfüllte zeit verbringen.
dass es so bleibt, wünschen wir uns auch für die kommenden 30 jahre.

an dieser stelle möchte ich euch allen, die ihr die burg als eure heimat anseht, danken.
dafür, dass ihr ohne große worte euren beitrag zum aufbau und zum erhalt der burg beigetragen habt und noch beitragt. und vor allem euch, die ihr die schwere, aber auch spannende und erlebnisreiche zeit von der gründung bis zum heutigen tag mitgemacht habt.
danke euch allen.

mai 2004
freies bildungswerk balduinstein